Friulano – Friauls Weißwein mit Geschichte
Kaum eine Weißweinsorte ist so eng mit Friaul verbunden wie der Friulano. Für viele Friulaner ist er weit mehr als nur eine Rebsorte. Er gehört zur regionalen Weinkultur wie der Prosciutto di San Daniele, der Frico oder die sanften Hügel des Collio.
Dabei ist seine Geschichte voller Überraschungen. Der Wein hieß jahrzehntelang Tocai Friulano, verlor diesen Namen nach einem europäischen Rechtsstreit – und trägt heute schlicht den Namen seiner Heimat: Friulano.
Noch spannender wird es, wenn man tiefer in seine Herkunft eintaucht. Denn ampelografisch entspricht Friulano jener Sorte, die international als Sauvignonasse oder Sauvignon Vert bekannt ist. Mit dem ungarischen Tokaj und dessen wichtigster Rebsorte Furmint ist Friulano dagegen nicht identisch.
Die Geschichte des Friulano
In Friaul wird Friulano seit Generationen kultiviert und gilt heute als einer der identitätsstiftenden Weißweine der Region. Besonders bedeutend ist er im Collio und in den Colli Orientali del Friuli, aber auch in anderen friulanischen Weinbaugebieten.
Seine genaue Herkunft ist allerdings weniger eindeutig, als es der heutige Name vermuten lässt. Untersuchungen italienischer Ampelografen zeigten, dass Tocai Friulano und Sauvignonasse dieselbe Rebsorte sind. Sauvignonasse war früher auch in Frankreich bekannt, verlor dort jedoch weitgehend ihre Bedeutung.
Wie diese Rebe letztlich nach Norditalien kam und warum sie hier unter dem Namen Tocai bekannt wurde, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren.
Gerade deshalb ranken sich um den Friulano einige bemerkenswerte Geschichten.
Aurora Formentini und die 300 „Vitti di Toccai“
Eine der schönsten führt zurück in das Jahr 1632.
Aurora Formentini stammte aus einer bedeutenden Adelsfamilie aus dem Raum Görz. Sie heiratete den ungarischen Magnaten Ádám Batthyány und verließ ihre Heimat in Richtung Ungarn.
Dass Aurora tatsächlich lebte, Ádám Batthyány heiratete und mit ihm korrespondierte, ist historisch dokumentiert. In der Familie Formentini wird darüber hinaus ein alter Ausstattungs- beziehungsweise Mitgiftvertrag überliefert.
In der Aufstellung jener Güter, die Aurora mit in die Ehe gebracht haben soll, findet sich eine besonders interessante Zeile:
„Vitti di Toccai … 300“ – 300 Tocai-Reben.
Daraus entstand später die romantische Geschichte, Aurora habe den Tocai aus Friaul nach Ungarn gebracht.
So schön diese Erzählung ist: Sie beweist nicht, dass der heutige Friulano der Ursprung des ungarischen Tokaj oder der Rebsorte Furmint wäre. Dafür sprechen die heutigen Erkenntnisse nicht.
Die Geschichte zeigt aber etwas anderes sehr eindrucksvoll: Der Begriff Tocai war schon vor Jahrhunderten Teil eines komplizierten kulturellen Geflechts zwischen Friaul, dem Habsburgerraum und Ungarn.
Und genau darin liegt der Reiz dieser alten Geschichte.
Vom Tocai Friulano zum Friulano
Über Generationen kannte man den Wein in Friaul als Tocai oder Tocai Friulano. Doch gleichzeitig existierte in Ungarn die berühmte Weinregion Tokaj.
Aus dieser Namensähnlichkeit entstand ein jahrelanger rechtlicher Streit.
Die Europäische Union entschied schließlich zugunsten des Schutzes der geografischen Herkunftsbezeichnung Tokaj. Die Verwendung des Namens Tocai Friulano war nur noch bis zum 31. März 2007 erlaubt.
Seit dem 1. April 2007 wird die Rebsorte in Friaul offiziell als Friulano bezeichnet.
Ausgerechnet der Verlust seines alten Namens machte damit die Verbindung zur Heimat noch deutlicher:
Aus Tocai Friulano wurde schlicht Friulano.
Besonderheiten der Rebsorte
Friulano ist eine kräftig wachsende und durchaus ertragreiche Rebsorte. Gerade bei hochwertigen Weinen ist deshalb eine sorgfältige Begrenzung der Erträge wichtig.
Eine Besonderheit liegt in ihrer geringen Fruchtbarkeit an den unteren Augen der Triebe. Traditionell benötigt die Sorte daher eher längere Schnitte und entsprechende Erziehungsformen.
Gleichzeitig kann sie aufgrund ihrer Traubenstruktur und Beerenschale empfindlich gegenüber Botrytis sein.
Wie sehr sich Friulano durch Standort und Boden verändern kann, zeigt sich besonders im Collio.
Dort prägt die berühmte Ponca, ein Wechsel aus Mergel und Sandstein, viele der besten Weine. Gute Friulanos können hier ausgesprochen würzig, dicht und zugleich fein salzig wirken.
Interessant ist auch die Arbeit in den Colli Orientali. Dort wurden alte, teilweise bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzte Friulano-Weingärten untersucht und ausgewählte alte Rebstöcke erhalten und weitervermehrt.
So versucht man heute, die genetische Vielfalt alter Friulano-Weinberge zu bewahren.
So schmeckt Friulano
Seine Stärke liegt in der feinen Verbindung von Frucht, Würze, Struktur und einer charakteristischen leichten Herbe.
Typisch sind Aromen von Birne und gelbem Apfel, Pfirsich und reiferen gelben Früchten, weißen Blüten und Kräutern. Besonders charakteristisch ist die feine Mandelnote, die sich häufig bis in den Abgang zieht und zu den geschmacklichen Merkmalen des Friulano gehört.
Typische Aromen sind:
- Birne und gelber Apfel
- Pfirsich und reifere gelbe Früchte
- Wiesenblumen und weiße Blüten
- Kräuter
- Mandeln und mit zunehmender Reife auch nussige Noten
Besonders charakteristisch ist der feinherbe Geschmack nach Bittermandel im Abgang.
Er gehört beinahe zur geschmacklichen Signatur des Friulano.
Am Gaumen zeigt sich Friulano meist trocken, weich und körperreich. Die Säure ist häufig moderater als etwa bei Sauvignon Blanc oder Riesling. Dadurch kann der Wein rund und beinahe cremig wirken, ohne schwer sein zu müssen.
Je nach Standort und Ausbau reicht die Bandbreite von frischen, unkomplizierten Weißweinen bis zu tiefgründigen, strukturierten Lagenweinen.
Hochwertige Friulanos können sich auch über mehrere Jahre in der Flasche sehr schön entwickeln.
Friulano und Speisen
In Friaul gibt es eine Kombination, die beinahe selbstverständlich erscheint:
Friulano und Prosciutto di San Daniele.
Die leichte Salzigkeit und der feine Fettanteil des Schinkens harmonieren hervorragend mit der trockenen, würzigen Art des Weines und seinem leicht herben Mandelton.
Ebenso klassisch ist Friulano zu Frico, dem traditionellen friulanischen Gericht aus Käse – meist Montasio – und häufig Kartoffeln.
Sehr gut passt Friulano außerdem zu:
- Fisch und Meeresfrüchten
- Risotto
- Pilzgerichten
- Spargel
- Artischocken
- hellen Fleischgerichten
- Geflügel
- nicht zu kräftigem Käse
Gerade bei Speisen mit Kräutern oder einer leichten Bitternote kann Friulano seine besondere Stärke ausspielen.
Wo manche Weißweine Schwierigkeiten bekommen, entsteht durch die eigene Kräuterwürze und den typischen Mandelton häufig eine besonders interessante Verbindung.
Als Trinktemperatur empfehlen sich etwa 10 bis 12 °C.
Friulano – eine Rebsorte, die zu ihrer Heimat wurde
Vielleicht ist genau das die schönste Geschichte des Friulano.
Seine botanische Herkunft führt über die alte Sauvignonasse, sein früherer Name verband ihn jahrhundertelang mit dem Tocai, eine Hochzeitsgeschichte aus dem Jahr 1632 führt bis nach Ungarn und ein europäischer Rechtsstreit nahm ihm schließlich sogar seinen Namen.
Geblieben ist der Wein.
Und kaum irgendwo hat diese Rebsorte eine so eigenständige Identität entwickelt wie in Friaul.
Deshalb beschreibt der heutige Name vielleicht besser als jeder frühere, was aus ihr geworden ist:
Friulano – ein Wein, der untrennbar mit Friaul verbunden ist.
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Friulano DOC Colli Orientali 2024
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trocken | 0,75l | 13,5%20,00 € / LiterLieferzeit nach Zahlungseingang 2-3 Werktage

