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Naturkorken in verschiedenen Größen und Arten

Der Wert des Weins und die Stellung des Naturkorkens

  • Beitrags-Kategorie:Wein
Weinkenner Øyvind Seeberg
Weinkenner Øyvind Seeberg

Das Thema Kork aus der Sicht von Øyvind Seeberg

Øyvind Seeberg entwickelte die ungewöhnlichste Vinothek „Krambu“ in Mödling – einen Tempel der Genüsse. Als subtiler Kenner für die Reife großer Weine ist das Thema Kork sein Anliegen. Die Frage war, warum im österreichischen Qualitätsweinbau die Chance für große in der Flasche reifende Weine oft nicht angenommen wird. Der wirtschaftliche Aspekt: Ein Kork adelt die Flasche mit einem Mehrwert.

Wir haben ihn gebeten, seine Sicht als Top Weinkenner mit echter Markt- Kunden- Kenntnis darzulegen.

Es stellt sich die Frage: Beeinflusst das Flaschenverschlusssystem den Wert des Weins?

Øyvind Seeberg

Wissenswertes über das älteste Flaschenverschlussystem der Welt

Der am längsten dienenden Verschluss für Weinflaschen, der Naturkorken, hat eine lange Tradition, die bis ins antike Griechenland und Rom zurückreicht, und er wird noch heute weltweit verwendet.
Bereits in der Antike erkannte man die Vorteile von Korken, wie zum Beispiel die elastische Struktur, die eine gute Abdichtung ermöglicht und den Wein vor Oxidation und unerwünschter Reifung schützt. Seitdem hat sich der Naturkorken als einer der beliebtesten Verschlüsse für Weinflaschen etabliert und wird bis heute von vielen Weingütern und Winzern weltweit verwendet.

Naturkorken werden aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber) hergestellt. Die Korkeiche ist hauptsächlich im westlichen Mittelmeerraum beheimatet, insbesondere in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Nordafrika. Portugal ist der größte Produzent von Naturkorken und liefert etwa 50 % des weltweiten Bedarfs. Die portugiesische Region Alentejo ist besonders bekannt für ihre Korkeichenwälder und die Produktion hochwertiger Naturkorken. Spanien ist der zweitgrößte Produzent, gefolgt von Italien und Frankreich. Es gibt auch kleinere Korkeichenbestände in anderen Ländern wie Marokko, Algerien, Tunesien und den USA, aber die Hauptproduktion konzentriert sich auf den westlichen Mittelmeerraum.

Korkbaum mit teilweise entfernter Rinde
Korkbaum mit teilweise entfernter Rinde (Foto: Pixabay)
Kork Rinde, unverarbeitete Rinde der Korkbäume
Kork Rinde Unverarbeitete Rinde der Korkbäume (Foto: Pixabay)

Die Korkeiche wird in der Regel alle neun Jahre geschält, wobei nur die äußere Rinde, der Kork, entfernt wird. Dieser Vorgang ist schonend für den Baum und ermöglicht eine nachhaltige Nutzung. Nach der Ernte wird der Kork über mehrere Monate in der Sonne oder in speziellen Trockenkammern getrocknet. Dadurch wird der Kork elastisch und formbar. Die getrockneten Korken werden nach Größe und Qualität sortiert. Dabei werden beschädigte oder unbrauchbare Korken aussortiert.

Die ausgewählten Korken werden in die gewünschte Länge geschnitten. Dabei wird auch die Ober- und Unterseite des Korkens abgeschnitten, um eine glatte Oberfläche zu erhalten. Um mögliche Verunreinigungen zu beseitigen, werden die Korken in speziellen Dampfkammern sterilisiert. Vor der Verpackung werden die Korken einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen, um sicherzustellen, dass sie den Anforderungen entsprechen. Die fertigen Korken werden in geeigneten Behältern oder Beuteln verpackt und für den Versand vorbereitet.

Naturkorken werden in verschiedenen Typen und Qualitätskategorien eingeteilt, die auf ihrer äußeren Erscheinung und ihren physikalischen Eigenschaften basieren. KLICKEN SIE HIER für einige der gängigen Typen und Qualitäten von Naturkorken:

Die Wahl des Korktyps hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Weinstils, der Lagerungsdauer und der Präferenzen des Winzers. Hochwertige Weine werden oft mit Naturkorken verschlossen, da diese Verschlussmethode einige Vorteile bietet:

 

Atmungsaktivität: Naturkorken ermöglichen eine geringe Sauerstoffzufuhr in die Flasche. Dadurch kann der Wein über einen längeren Zeitraum reifen und sich entwickeln. Der langsame und kontrollierte Sauerstoffaustausch kann dazu beitragen, dass sich komplexe Aromen und Geschmacksprofile entwickeln
Abdichtung: Naturkorken haben eine elastische Struktur, die sich an den Flaschenhals anpasst und eine gute Abdichtung gewährleistet. Dadurch wird der Wein vor Oxidation geschützt und unerwünschte Veränderungen im Geschmack vermieden
Tradition und Prestige: Naturkorken werden seit Jahrhunderten für Weinflaschen verwendet und sind mit Tradition und Handwerkskunst verbunden. Ein Wein mit Naturkorken wird oft mit hochwertigen Weinen in Verbindung gebracht und kann daher als feiner und prestigeträchtiger angesehen werden. Für viele Weintrinker ist der Korken ein Symbol für Qualität und Eleganz
Ästhetik: Naturkorken verleihen einer Weinflasche ein klassisches und elegantes Aussehen. Sie sind auch mit dem Ritual des Korkenziehens verbunden, was für viele Weinliebhaber einen gewissen Charme hat
Nachhaltigkeit: Die Ernte der Rinde von der Korkeiche schadet dem Baum nicht. Naturkorken sind deshalb ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff. Die Korkgewinnung trägt zur Erhaltung der Korkeichenwälder bei und unterstützt die Biodiversität. Dies macht Naturkorken zu einer nachhaltigen Verschlussmethode im Vergleich zu anderen Materialien wie Kunststoff, Glas oder Aluminium

 

Was nicht allgemein bekannt ist, ist dass „das Korken“ eines Weins, also dass der Wein als Flaschenfehler muffig und nach Kork riecht und schmeckt, nicht vom Kork selbst kommt, sondern unterschiedliche Ursachen haben kann. Die häufigste vorkommende Ursache ist eine chemische Verbindung namens Trichloranisol (TCA). TCA ist ein sehr starker Geruchsstoff und kann selbst in sehr geringen Konzentrationen den Wein mit einem muffigen, modrigen oder nassen kartonähnlichen Geruch und Geschmack beeinträchtigen. Diese Verbindung entsteht unter bestimmten Bedingungen in Holz- und Korkmaterialien, also können auch Weine mit Schraubverschluss „korken“, wenn sie im Holzfass ausgebaut sind.

Es gibt auch andere chemische Verbindungen, die denselben Geruchs- und Geschmackseffekt auf Wein haben, wie TBA oder TeCA, die viel seltener vorkommen. Probleme mit dem „Korken“ durch andere Varianten als den Naturkorken zu umgehen, ist also keine 100 % sichere Maßnahme, es wird immer ein Risiko fürs „Korken“ bleiben – solange der Wein im Holzfass ausgebaut ist.

Der Naturkorken als Mittel zur Aufwertung des Weines

Der Wert eines Weins ist von vielen Faktoren abhängig. Erstens spielt die Qualität des Weins selbst eine große Rolle, andere Faktoren sind das Anbaugebiet, die Bekanntheit des Winzers, die Rebsorte oder Cuvée-Assemblage, der Jahrgang, das Design der Flasche und des Etiketts, Marketingmaßnahmen, usw.

Wahrscheinlich wird auch die Wahl des Verschlusssystems in den nächsten Jahren mehr Bedeutung für den Wert des Weins bekommen, da der Faktor Reifung und Entwicklung des Weins in der Flasche durch die Atmungsfähigkeit des Verschlusses eine der wichtigsten Eigenschaften von Naturkorken ist. Der Naturkorken hat noch nicht so deutlich zeigen können, welche Vorteile er diesbezüglich gegenüber anderen, neueren Verschlusssysteme, hat – da die neuen Systeme bisher zu „jung“ gewesen sind.

Neu abgefüllte, hochwertige Weine mit viel Kraft durch Tannine, Holzeinfluss vom Ausbau im Barriquefass und einen hohen Alkoholgehalt können ein enormes Potenzial haben, sich nach einigen Jahren Flaschenreifung völlig zu verändern – von herb, bitter, „teerig“ und stark adstringierend als neu abgefülltes Produkt, zu abgerundet, saftig, trinkflüssig und fruchtig nach jahrelanger Reifung.

Das wird durch die Atmungsfähigkeit des Naturkorkens ermöglicht. Im Laufe der Zeit kommt es zu genug Luftaustausch in der Flasche, sodass der zugeführte Sauerstoff mit den Gerbstoffen (Tanninen) im Wein reagiert und diese langsam abbaut. Genauso wie im menschlichen Körper; Sauerstoff (Oxygen) reagiert mit menschlichem Gewebe und macht uns älter – deshalb sind „Antioxidanten“ viel beworben, die verlangsamen unsere Alterung. Dasselbe passiert im Wein, ein Wein mit vielen Antioxidanten in der Form von Gerbstoffen ist länger lagerfähig und braucht länger, um sich zu entwickeln als leichtere, gerbstoffarme Weine.

Die Entwicklung des Weins in einer Flasche mit einem Verschluss ohne Luftaustauschfähigkeit (Drehverschluss, Glaskorken, usw.) ist nur begrenzt möglich, da nur eine kleine Menge Sauerstoff zwischen dem Verschluss und dem Wein nach der Abfüllung in der Flasche bleibt und keine weitere Luftzufuhr mehr möglich ist. Der Wein bleibt fast unverändert – selbst nach jahrelanger Lagerung. Nur Licht und Temperatur kann die Qualität des Weins beeinflussen, meistens in eine negative Richtung, wenn die Lagerungsverhältnisse zu hell oder zu warm sind.

Den Wein mit Drehverschluss kann man so viel und so lange dekantieren und doppeldekantieren wie man möchte, er entwickelt trotzdem keine so optimalen Aromen und Geschmäcker wie ein flaschengereifter Wein mit Naturkorken.

Ein Wein mit Naturkorken, der optimal gelagert ist, durch optimale Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse (dunkel) und Lagerungszeit, kann bei seiner optimalen Trinkreife ein Vielfaches mehr wert sein, als ein Wein vom selben Jahrgang, dem durch einen Drehverschluss nicht ermöglicht worden ist, sich zu der optimalen Trinkreife zu entwickeln. Den Wein mit Drehverschluss kann man so viel und so lange dekantieren und doppeldekantieren wie man möchte, er entwickelt trotzdem keine so optimalen Aromen und Geschmäcker wie ein flaschengereifter Wein mit Naturkorken.
Ein Wein mit Naturkorken, der optimal gelagert ist, durch optimale Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse (dunkel) und Lagerungszeit, kann bei seiner optimalen Trinkreife ein Vielfaches mehr wert sein, als ein Wein vom selben Jahrgang, dem durch einen Drehverschluss nicht ermöglicht worden ist, sich zu der optimalen Trinkreife zu entwickeln. Den Wein mit Drehverschluss kann man so viel und so lange dekantieren und doppeldekantieren man möchte, er entwickelt trotzdem keine so optimalen Aromen und Geschmäcker wie ein flaschengereifter Wein mit Naturkorken.

Deshalb bevorzugen die meisten Weinkenner den traditionellen Naturkorken, da er als atmungsaktiv gilt und dem Wein ermöglicht, sich weiterzuentwickeln und zu reifen. Darüber hinaus ist ein Wein mit Naturkorken auch als Zeichen von Qualität und Handwerkskunst angesehen, da die Herstellung von Naturkorken aufwendiger ist als die von alternativen Verschlussmethoden und das Material nachhaltig und direkt mit der Natur verbunden ist. Dies führt zweifellos zu einer höheren Wertigkeit des Weins.
Auch die traditionelle Zeremonie mit dem Schneiden der Schutzhaube sowie das Drehen und Ausziehen des Korkens, das in einem „Zelebrier-Plopp“ kulminiert, verstärkt die Emotionen rund um den Wein und erhöht die Erwartungen und die Freude auf den ersten Schluck.

Mit nur wenigen, sehr kleinen Ausnahmen ist der Naturkorken beim Wein einzigartig. Er gibt dem Produkt eine Identität und hebt den Wein ab vom „Standard“ im Getränkemarkt.

Öffnen der Weinflasche mit Kellnermesser
Öffnen der Weinflasche mit dem Kellnermesser (Foto: Pixabay)

Naturkorken als Naturprodukt sind natürlich anfälliger für äußeren Beeinflussungen. Es gibt viele Faktoren, die die Haltbarkeit eines Korkens beeinflussen können, dazu gehören unter anderem die Feuchtigkeit und Temperatur im Lager, die Qualität des Korkens selbst und die Art des Weins, der darin gelagert wird, oder Schädlinge wie die Korkfliege. Daher ist es wichtig den Zustand des Korkens regelmäßig zu überprüfen.
Wer Wein lagert und sich für Wein interessiert, checkt sowieso regelmäßig seinen Weinlager und wird es nicht als eine Belastung sehen, seine Weine zu „hüten“, sondern mehr als eine angenehme, regelmäßige „Zeremonie“. Deswegen ist nicht anzunehmen, dass ein Wein weniger wert sein kann, nur weil der Naturkork etwas anfälliger ist als andere Verschlusssysteme.

Es gibt Weine, die für eine längere Lagerung vorgesehen sind und in der Flasche reifen sollen (Flaschenreifung) und daher mit Naturkorken von höchster Qualität ausgestattet sind, die eine lange Haltbarkeit gewährleisten sollen. Zu diesem Zweck sind andere Verschlusssysteme nicht geeignet. Besonders der Schraubverschluss hat in den vergangenen Jahren in Österreich eine sehr starke Marktsteigerung gehabt. Andere Systeme wie Verschlüsse aus Glas oder Kunststoff haben so einen Erfolg nicht gehabt.

Es gibt viele Winzer, die den Naturkorken überhaupt nicht mehr verwenden. Um den besonderen Stellenwert des Weins als Kulturgut und als etwas Besonderes und Hochwertiges langfristig zu behalten, muss aber der Wein, über den Wein selbst hinaus, mit etwas Eigenartigem verbunden werden. Kapselverschlüsse sind mit Bier verbunden.

Ein hochwertiger Wein braucht den Naturkorken!

Limonade und auch das billigste prickelnde Wasser vom Supermarkt sind mit Schraubverschlüssen verbunden. Durch eine mehr oder weniger Standardisierung auf Schraubverschluss auf Weinflaschen geht es also für den Wert des Weins im ganzen Getränkemarkt in Richtung „üblich“, „Standard“ und „billig“.

Mit nur wenigen, sehr kleinen Ausnahmen ist der Naturkorken beim Wein einzigartig. Er gibt dem Produkt eine Identität und hebt den Wein ab vom „Standard“ im Getränkemarkt. Bei keinem anderen Produkt (auch bei den Ausnahmen nicht), verwendet man ein Kellnermesser oder einen Korkenzieher, um die Flasche zu öffnen, das ist für den Wein 100 % einzigartig! Wieso machen so viele österreichische Winzer nicht das, was in Bordeaux, der Hochburg des hochwertigen Weins, klarer Standard ist?

Als Schlussfolgerung dieses Artikels finden wir folgende Sprüche passend: „Ein hochwertiger Wein braucht den Naturkorken!“ Und: „Der Naturkorken fördert ein hochwertiges Wein- und Genusserlebnis!“