
Chenin Blanc – eine große Rebsorte zwischen Loire, Südafrika und Wien
Chenin Blanc gehört zu jenen Rebsorten, die erstaunlich viele Gesichter zeigen können. Aus ihr entstehen geradlinige, trockene Weißweine ebenso wie große, langlebige Süßweine und feine Schaumweine. Was diese unterschiedlichen Stilrichtungen miteinander verbindet, ist vor allem die charakteristische, lebendige Säure der Sorte.
Ihre eigentliche Heimat liegt an der Loire in Frankreich, wo Chenin Blanc seit vielen Jahrhunderten kultiviert wird. Doch die Geschichte dieser Rebsorte führt von mittelalterlichen Klöstern und englischen Königshöfen über Südafrika bis zu einer ungewöhnlichen Interpretation auf dem Wiener Nussberg.
Die Geschichte des Chenin Blanc
Chenin Blanc zählt zu den historischen Rebsorten Europas. Seine Herkunft wird im Anjou an der Loire vermutet. Historische Überlieferungen führen einen sogenannten „Plant d’Anjou“ sogar bis in das 9. Jahrhundert zurück.
Eine besonders schöne Geschichte beginnt im Jahr 1154: Heinrich II., Graf von Anjou, bestieg den englischen Thron. Mit ihm gelangten auch die Weine seiner Heimat an den englischen Königshof. Wein aus dem Anjou war damit bereits im Mittelalter weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt.
Im Laufe der Jahrhunderte verbreitete sich die Rebe entlang der Loire bis in die Touraine. Im 15. Jahrhundert soll sich schließlich die Bezeichnung Chenin etabliert haben – vermutlich in Verbindung mit Mont Chenin in der Touraine.
Bis heute findet man für die Sorte an der Loire auch den alten Namen Pineau de la Loire.
Eine Rebsorte mit erstaunlicher Vielfalt
Nur wenige Weißweinsorten können derart unterschiedliche Weinstile hervorbringen.
In Savennières entstehen aus Chenin Blanc vor allem trockene, strukturierte und ausgesprochen langlebige Weißweine. In Vouvray reicht das Spektrum von trocken über feinherb und süß bis hin zu Schaumwein.
In den berühmten Süßweingebieten des Anjou, etwa im Coteaux du Layon, zeigt die Sorte wiederum eine völlig andere Seite. Werden die Trauben spät gelesen oder von Edelfäule geprägt, können konzentrierte Süßweine entstehen, die über Jahrzehnte reifen können.
Gerade darin liegt eine Besonderheit des Chenin Blanc: Seine ausgeprägte natürliche Säure bleibt selbst bei sehr reifen Trauben erhalten und sorgt dafür, dass auch kraftvolle oder süße Weine nicht schwer wirken müssen.
Von der Loire ans Kap – Chenin Blanc wird zu „Steen“
Kaum eine zweite Rebsorte ist so eng mit zwei völlig unterschiedlichen Weinländern verbunden wie Chenin Blanc.
Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts gelangten vermutlich erste Chenin-Reben nach Südafrika. Dort wurde die Sorte jahrhundertelang unter dem Namen „Steen“ angebaut.
Lange wusste man jedoch nicht, welche europäische Rebsorte sich tatsächlich hinter Steen verbarg.
Erst 1963 wurde durch Untersuchungen in Stellenbosch zweifelsfrei festgestellt, dass Steen mit Chenin Blanc identisch ist.
Nur ein Jahr später schrieb die Sorte eine völlig andere Art von Weingeschichte: Der südafrikanische Weißwein Lieberstein, der überwiegend auf Chenin Blanc basierte, erreichte 1964 eine Produktionsmenge von rund 31 Millionen Litern und galt damals als einer der meistverkauften Weißweine der Welt.
Chenin Blanc war damit zeitweise das Arbeitspferd der südafrikanischen Weinindustrie.
Heute hat sich dieses Bild grundlegend verändert. Alte Chenin-Weingärten werden wieder besonders geschätzt, niedrige Erträge und sorgfältige Vinifikation haben der Sorte zu neuem Ansehen verholfen. Einige der spannendsten trockenen Chenin Blancs der Welt entstehen heute neben der Loire gerade in Südafrika.
Wie schmeckt Chenin Blanc?
Der Geschmack von Chenin Blanc hängt stark von Herkunft, Reifegrad und Ausbau ab.
Junge, trocken ausgebaute Weine können Noten von Zitrusfrüchten, grünem Apfel, Birne, Quitte und frischen Kräutern zeigen. Mit zunehmender Reife entwickeln sich häufig Aromen von reifer Birne, gelben Früchten, Honig, Wachs, getrockneten Früchten oder Nüssen.
Bei gereiften oder im Holz ausgebauten Varianten können zusätzlich würzige und leicht cremige Noten auftreten.
Eine der wichtigsten Eigenschaften bleibt jedoch fast immer die prägnante Säurestruktur. Sie gibt dem Wein Frische, Spannung und bei hochwertigen Exemplaren ein enormes Reifepotenzial.
Sehr gute Chenin Blancs können sich über viele Jahre, manche sogar über Jahrzehnte weiterentwickeln.
Chenin Blanc und Speisen
Durch seine Säure und seine unterschiedlichen Stilrichtungen ist Chenin Blanc ein ausgesprochen vielseitiger Speisenbegleiter.
Trockene, frische Varianten passen hervorragend zu Fisch, Meeresfrüchten, Krustentieren und hellem Fleisch. Auch zu Gerichten mit Kräutern, Gemüse oder einer leichten Cremigkeit kann Chenin Blanc sehr gut funktionieren.
Kräftigere oder im Holz ausgebaute Varianten begleiten Geflügel, Kalb, Pilzgerichte oder gebratenen Fisch.
Besonders interessant ist Chenin Blanc auch zu würziger Küche. Seine Säure und Frucht können sehr gut mit asiatischen Gerichten, Curry, Ingwer oder leicht pikanten Speisen harmonieren.
Süße Chenin Blancs wiederum sind klassische Begleiter zu Blauschimmelkäse, Foie gras oder Desserts mit Früchten.
„schönin 1683“ – Chenin Blanc auf dem Wiener Nussberg
Und dann führt die Geschichte des Chenin Blanc überraschend nach Wien.
Der Wiener Winzer Franz-Michael Mayer beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit internationalen Rebsorten und unterschiedlichen Weintraditionen. Auf dem Wiener Nussberg entstand daraus eines seiner außergewöhnlichsten Projekte: „schönin 1683“.
Schon der Name erzählt eine Geschichte.
Im Kunstwort „schönin“ verbirgt sich der Name Chenin. Die Zahl 1683 wiederum besitzt für Mayer eine doppelte Bedeutung: Sie verweist auf die lange Weinbautradition seiner Familie und gleichzeitig auf eines der bekanntesten Jahre der Wiener Geschichte – die zweite Türkenbelagerung Wiens.
So treffen in einem einzigen Namen französische Rebsortengeschichte und Wiener Historie aufeinander.
Chenin Blanc ist in Österreich bis heute eine ausgesprochene Rarität. Franz-Michael Mayer verwendet die Sorte auf dem Nussberg als prägende Rebsorte seines modernen Gemischten Satzes „schönin 1683“.
Für Georgs Salon ist genau diese Verbindung besonders spannend: eine jahrhundertealte Rebsorte von der Loire, die über Südafrika in die große Weinwelt gelangte und schließlich in sehr kleiner Menge auch auf einem Wiener Weinberg eine neue Geschichte erzählt.
Chenin Blanc – eine Rebsorte für Entdecker
Chenin Blanc braucht keine spektakuläre Aromatik, um interessant zu sein. Seine Stärke liegt vielmehr in seiner Spannung, seiner Vielseitigkeit und seinem außergewöhnlichen Reifepotenzial.
Von den Schieferhängen von Savennières über die Keller von Vouvray und die alten Reben Südafrikas bis zum Wiener Nussberg begleitet die Sorte mehr als tausend Jahre europäischer und internationaler Weingeschichte.
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schönin *1683 vintage 2o12
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trocken | 0,75l | 14,0 %171,43 € / LiterLieferzeit nach Zahlungseingang 2-3 Werktage

